Montag, 22. Februar 2010
Countdown: Generalprobe
13:00 Uhr
Die letzten Korrekturen für das Programmheft werden von Georg Kentrup und mir eingearbeitet. Die Fotos der Spielerinnen und Spieler sind schön geworden und ergänzen die Texte auf gelungene Weise. Wir beide sind erleichtert. Ist doch auf den letzten Metern (wie eigentlich immer) ein bißchen knapp geworden. Um 14:00 Uhr muss das Ganze in der Druckerei sein...
16:00 Uhr
Barbara Wachendorff gibt mit zwei von unseren Experten ein Interview für Sat 1. Danach werden sie die Generalprobe mitfilmen. Also können die Kostüme erst morgen gewaschen werden.
17:00 Uhr
Brötchen abholen für die "Mettbrötchen-Szene" und Kräuterquark kaufen.
18:00 Uhr
Nach einem kurzen Warm-Up beginnt die Generalprobe und wir kommen durchs Stück. Zum Glück! Dazwischen: Interviews, Schminken für die Kamera, Brötchen schneiden und schmieren, Requisiten kontrollieren, Fragen beantworten, Soufflieren.
22:00 Uhr
Barbara und ich verlassen das Theater. Schweren Schrittes. Ab nach Hause zu Rotwein und Bett!
1:00 Uhr
Die Waschmaschine schleudert die letzte Runde. Puuh! Die armen Nachbarn. Aber wenn ich die Kostüme heute nicht wasche, werden sie bis morgen nicht trocken.
Sonntag, 21. Februar 2010
Material fürs Projekt, das nicht mehr eingebaut werden konnte
Ein Job (Musik: „One Love“ von David Guetta, Text: Fred und Micha)
Kann uns jemand helfen, haben keinen Plan
Gibst den kleinen Finger, nehmen sie dir den Arm
Haben kein Lust mehr, jeder schubst uns rum.
Damit ist jetzt Schluss, wir bleiben nicht mehr stumm.
Das ist der Grund, warum wir hier stehn.
Haben maloocht, doch das will keiner mehr sehn.
Man nennt uns Schmarotzer, schimpft uns arbeitsscheu.
Koch stempelt uns ab, macht Arbeitspflicht neu
Das haben wir so nicht verdient.
Jahrzehnte gearbeitet und jetzt verhöhnt
Jetzt sagt uns, wo sind denn die Jobs,
die echten, die ehrlichen, nicht billige Flops.
Ein Job, den suchen wir für uns. Ein Job ist das, was uns jetzt fehlt
Ein Job, bei dem das Geld auch stimmt. Ein Job, der Spaß macht und uns braucht.
Ein Job, der uns ernähren kann. Ein Job, in dem sich Arbeit lohnt.
Ein Job, der unsrem Leben Sinn gibt. Ein Job, wer weiß nur, wo es den gibt.
Ein Job---------
Wir suchen Arbeit. Wir suchen Arbeit. Wir suchen Arbeit. Wir suchen Arbeit
Gib niemals auf, nimm dein Leben in die Hand.
Reiß die Mauer ein der bürokratischen Wand.
Die Hoffnung stirbt zuletzt, tritt für dich selber ein.
Kämpf für dein Recht, dann wirst du Sieger sein.
… Ein Job
Countdown: In drei Tagen ist Première
10:00 Uhr
Mein Handy klingelt. Eine Redakteurin von Sat 1 von der Sendung "17:30" interessiert sich fürs Projekt und möchte am Donnerstag gerne die Generalprobe mitdrehen lassen. Außerdem interessiert sie sich für ein Gespräch mit zwei von unseren Spielern außerhalb des Theaters. Ob das ginge? Klar, da freuen wir uns doch! Drei Telefonate später ist alles vereinbart.
12:30 Uhr
Ich tausche die nicht passenden Kostüme in der Innenstadt um. Treffe dabei einen unserer Arbeitsexperten, der auf mich traurig wirkt. Lampenfieber? Der Druck ist jetzt gegen Ende der Produktionszeit für alle enorm hoch.
14:00 Uhr
Zurück im Theater kommt mir Barbara mit einer großen Tüte entgegen. Die sei für sie abgegeben worden. In der Tüte: ein Kostüm und ein Brief. Im Brief steht, neben Dank an uns, dass der Absender nicht mehr im Projekt mitmachen kann.
Wir machen uns große Sorgen. Und funktionieren gleichzeitig wie ein Uhrwerk: Barbara fährt zur Wohnung des Arbeitsexperten, ich werde die angesetzten Proben leiten und gucken, ob und wie wir eine Lösung für den fehlenden Spieler finden können.
15:00 Uhr
Probe. Es ist schön zu sehen, wie sich Szenen noch auf den letzten Metern in die Zielgerade entwickeln und "freispielen".
Beim Durchsehen des Stücks haben wir gemerkt, dass wir nur eine Szene streichen müssen. Da der zweite Teil des Stücks eher zu lang ist, können wir künstlerisch gut damit leben. Die Sorge um unseren Experten ist aber weiterhin da.
17:00 Uhr
Alle Spieler sind da. Kaffee ist gekocht und Wilma, die heute Geburtstag hat, hat Kuchen und Brötchen für alle mitgebracht. Der Journalist Stefan Keim ist heute da, um für "Scala" einen Beitrag zu machen. Von ihrer Kaffeetafel weg, wird Wilma zum Interview fürs Radio gebeten.
Wir erzählen dem Ensemble von dem "Ausstieg" des Experten und alle sind betroffen und traurig.
18:00 Uhr
Für das Programmheft müssen noch Porträtfotos gemacht werden. Alle Spieler setzen sich einzeln vor die Tapeten und werden von Martin Möller fotografiert. Danach dann der Durchlauf durchs Stück mit den veränderten Szenen und der veränderten Besetzung.
21:20 Uhr
Die Probe ist eigentlich schon seit 20 Minuten zu Ende, aber die letzte Szene ist noch nicht gespielt worden. Barbara Wachendorff bricht die Probe ab. Alle sind müde. Das war ein anstrengender Tag in jeglicher Hinsicht.
Mittwoch, 17. Februar 2010
Alles wächst
Seit Dienstag ist die Beleuchtung und der Film dazugekommen und mit jeder Probe entsteht ein klareres Bild von unserem Abend. Auch wenn die Aufregung allen deutlich anzumerken ist.
Von welcher Seite trete ich auf? Wann trete ich auf? Was ist mein Stichwort? Welche Szene kommt jetzt?
Hinter der Bühne ist die Stimmung aufgeregt, aber gleichzeitig hoch konzentriert.
Wenn ich die Seite wechsle und mich in den Zuschauerraum setze, dann ist davon fast nichts zu spüren. Das fasziniert mich immer wieder.
Mittwoch, 10. Februar 2010
TAZ
Sueddeutsche Zeitung
Die Welt
Frankfurter Allgemeine Zeitung
WAZ
Die Zeit
Dienstag, 9. Februar 2010
Sonntagszuschlag
Barbara hat weiße Zettel gebastelt. Also bunt und weiß auf blauem Teppich. Leicht ist das nicht. Einfach anfangen. Die ersten Szenen liegen in einer richtigen Reihenfolge. Allmächlich formt sich aus dem Zettelhaufen eine Reihe. Immer wieder gehen wir die Reihe durch, verschieben Szenen nach hinten; das hat dann auch immer wieder Konsequenzen für andere Szenen. Also weiter schieben. Nach zwei Stunden Bedenken und Verschieben, Diskutieren, im Kopf-als-Film-Ablaufen lassen, haben wir ein erstes Ergebnis. In der nächsten Woche werden wir das auf der Probe überprüfen können und sehen, ob wir etwas verändern müssen. Für heute sind wir zufrieden.
Elena, unsere Hospitantin, hat mir einen Zettel gegeben. Bei den Proben hat sie Sätze aufgeschrieben, die Deutsch und Englisch munter miteinander mischen. Für uns ist es inszwischen fast normal, ständig die Sprache zu wechseln.
Wenn man den ganzen Tag im Theater ist, schafft das Sprachenwechseln ein Gefühl von "Arbeit in New York".
Kostproben unseres Denglish:
Du go over the black Bühnenboden.
You play is very nice on the Bühne.
There is nobody doof.
People come und schwenken, you know, they schwenk.
You know: like bestellt und nicht abgeholt.
Wir brauchen everybody of you.
This will be our Endprobenwoche.
Right from the Straßenstrich.
She has it gekauft.
Donnerstag, 4. Februar 2010
Aus dem Probentagebuch (2)
"Das sage ich heute, mal sehen, ob ich das einen Tag vor der Premiere auch noch sage."
Bei dem Gedanken bekomme ich Hitzewallungen.
Jetzt gehts bei mir looooos! Irgendwie merke ich mir meine Texte nicht. Alpträume sind im Moment das Einzige, das mein Hirn behalten kann. Na super; kommt gerade zur rechten Zeit! Hatte auch lange keine mehr. Fängt so das Fieber in der Lampe an? Wo ist der Schalter, den ich fürs Auswendiglernen brauche? Da ich schon älter bin, spielt mein Langzeitgedächtnis wohl eine große Rolle. Den Spaß, die Freude, einfach alles, was ich hier lerne (auch positiv über mich). Das behalte ich auf jeden Fall! Das Beste, was ich erleben durfte - im Team -! DANKE
Doris
Ich spiele schon seit drei Jahren laienhaft Theater. In den drei Jahren war sogar ein Brocken wie "Les Misérables" dabei, wo ich die Hauptrolle spielen durfte. Jedoch ist dieses Projekt mit nichts zu vergleichen. Es ist wunderschön zu sehen, wie wildfremde Menschen zusammen finden und dieses Projekt immer konkreter wird und endlich ein Gesicht bekommt. Hier im altehrwürdigen Consol Theater, jetzt gerade in diesem Moment, entsteht etwas Wundervolles.